Gemeinnütziger Verein für Muisne/Ecuador

 

Hier findet ihr einige Bericht von Eva zum Leben auf Muisne!

Die Zeit geht doch unglaublich schnell um…. sie rast. Mir kommt es vor, als ob ich gestern erst auf der Isla del Encanto angekommen bin und nun ist meine Zeit hier auch schon vorbei. Das macht mich einerseits sehr traurig, aber natürlich freue ich mich nun auf meine bevorstehende Reise. Ich freue mich Ecuador nun noch besser kennenzulernen.

Aber nun zu meiner letzten Woche auf Muisne:

Eigentlich lief der Schulalltag wie immer ab: ich gab Englischunterricht und habe den Schülern bei anderen Arbeiten geholfen. In der letzen Woche habe ich den Englischunterricht eher spielerisch und kreativ gestaltet, um eine passende Wiederholung der vorher besprochenen Themen zu gewährleisten: Ich habe Bingo mit englischen Zahlen bis 100 mit ihnen gespielt und ich habe ein Bildersalaträtsel für sie vorbereitet, in welchem sie die englischen Vokabeln heraussuchen sollten. Des Weiteren habe ich mit ihnen Hangman gespielt, das ebenfalls die Verfestigung der vorher gelernten Vokabeln unterstützen sollte. Auch habe ich Aufgaben zu den verschiedenen Grammatiken gestellt (z.B. Present Progressive), um die grammatikalischen Kenntnisse zu verfestigen.

Doch lag in dieser Woche ein bittere Beigeschmack bei, da alle wussten, dass ich nun bald gehen werde. Viele Schüler wiederholten mehrmals: „No se vaya!“ (Geh nicht weg!) und in solchen Momenten war ich schon fast den Tränen nahe. Am vorletzen Schultag waren wir alle noch einmal zusammen am Strand. Dort haben die Schüler kleine Kunststücke eingeübt und der Lehrerin und mir vorgeführt. Auch bin ich mit allen ins Meer baden gegangen, habe mit ihnen rumgetobt und gespielt. Zur Mittagsessenzeit haben wir dann noch alle zusammen gegessen.

An meinem letzten Schultag fand kein Unterricht statt, denn ein Abschied muss ja gebührend gefeiert werden.  (Die Muisenos nutzen schließlich jede Gelegenheit um zu Feiern ) Ich habe Cola, Kekse und andere Leckereien gekauft und dann haben wir Musik laufen lassen und alle, wirklich alle, haben getanzt. Vorher kamen alle Schüler meiner Klasse zu mir und haben mir verschiedene Wünsche mit auf den Weg gegeben und mich umarmt- schon wieder so ein Moment, bei dem ich mit den Tränen zu kämpfen hatte. Nach dem Mittagessen hieß es dann wirklich Abschied nehmen. Aber dies hinterlässt bei mir ein weinendes und ein lachendes Auge, denn ich weiß: Ich komme auf jeden Fall wieder!

Kurz vor meinem Abflug werde ich – zusammen mit Thomas- noch 1 oder 2 Wochen auf der Insel verbringen und ich weiß, dass mir der „endgültige“ Abschied noch viel viel schwerer fallen wird.

Doch bald werde ich wiederkommen 

 

Das Leben auf Muisne I

Mhh, wie kann man am besten das Leben auf Muisne beschreiben? Ruhig auf jeden Fall und an einigen Tagen auch ein bisschen chaotisch und unorganisiert ;) Man muss sich auf jeden Fall gerade als durchgeplanter Deutscher darauf einstellen, dass man seine Pläne noch bis kurz vor Toresschluss ändert, dass man eben ein bisschen flexibler ist, als man es sonst gewohnt ist. Denn eines ist gewiss: Auf Muisne werden vorher aufgestellte Pläne auf jeden Fall noch des Öfteren mal umgeschmissen.:) Irgendwie erinnert mich Muisne ein wenig an Cuba und aus diesem Grund nenne ich es auch liebevoll Klein Cuba. Am Anfang braucht man aber schon eine Eingewöhnungszeit. Ich kann für mich sagen, dass mir die ersten Tage schwer gefallen sind mich einzugewöhnen. Ich denke ich hatte erst mal so etwas wie einen Kulturschock. Man muss sich auch erst daran gewöhnen, dass es dort auf den Straßen ein wenig dreckiger ist  und dass man viel Staub oder Sand mit in die Wohnung trägt. Auch – und dass will ich nicht verleugnen- hat mich die relative Armut ein wenig bedrückt. Doch nach ein paar Tagen, vor allem als ich dann angefangen habe in der Schule zu arbeiten, hat es mir immer besser gefallen und heute genieße ich die ruhigen Tage ohne Hektik sehr. Dazu haben auch die Menschen viel beigetragen, weil sie mich so herzlich aufgenommen und mich unter ihre Fittiche genommen haben. Der riesengroße Sandstrand der sich über Kilometer erstreckt und eine angemessene Breite besitzt, macht den Aufenthalt in Muisne auch noch einmal um einiges angenehmer. Wann hat man auch schon mal Meer und einen Strand quasi vor der Haustür? Am besten an diesem Strand gefällt mir allerdings, dass er so naturbelassen ist und dass man dort kaum auf Touristen trifft. Keine Strandbar an der nächsten und keine Ballermann Besoffenen im Sand. Nein, man kann den Strand ganz für sich genießen und einfach abschalten, aufs Meer gucken und über alle seine Dinge im Leben nachdenken. Das Leben auf Muisne ist des Weiteren auch gewöhnungsbedürftig, da man eben nicht den ganzen Luxus aus dem Alltag in Deutschland habe. In dem Haus, in dem ich wohne gibt es eben kein Telefon, kein Internet, kein Fernseher. Auch keine richtige Dusche. In meinem Badezimmer steht nur eine große Tonne gefüllt mit kaltem Wasser und es wird mit einem Eimer geduscht. Aber je länger ich auf Muisne wohne, desto weniger vermisse ich die Sachen. Ich brauche auf Muisne kein Telefon, keinen Fernseher und auch kein Internet (wenn mich dann doch mal das Bedürfnis beschleicht ins Internet zu gehen, dann gehe ich dort in ein Internetcafe. Allerdings muss man da eine längere Wartezeit einplanen, da dort alles über Modem läuft und drei PCS an einem Modem hängen). Auf Muisne hat man also die Chance, mal ganz zu sich zu finden und andere Alternativen zu den Konsumsachen zu finden. Ich mache nun Schmuck, lese sehr viel (in Deutschland habe ich den Fernseher den Büchern vorgezogen), gehe an den Strand oder gehe Leute besuchen, um mich einfach länger zu unterhalten. Hier hat also jeder die Möglichkeit Back to the rules zu leben

Das Leben auf Muisne II

Zuerst möchte ich zum Essen kommen. Wichtigster Bestandteil jedes Essens ist Reis und das wirklich zu jedem Essen. Ansonsten gibt es auf Muisne viel frischen Fisch und Meeresfrüchten (z.B. Camarones). Manchmal gibt es auch Fleisch. Wobei ich sagen muss, dass das Fleisch hier auf Muisne recht gewöhnungsbedürftig ist. Zum einen vom Geschmack und zum anderen von der Konsistenz. Man braucht sich nicht wundern, wenn auf einmal in der Suppe ein Huhnerfuß zum Vorschein kommt. Der Fisch und die Camarones sind aber meine Favoriten. Ich habe noch nie so viel und vor allem guten Fisch und Camarones wie auf Muisne gegessen. Und es gibt sie in allen Variationen: paniert, frittiert, gegrillt, in Kokos- oder in Knoblauchsoße. Die Provinz Esmeraldas ist berühmt für sein leckeres Essen. Nicht nur bedingt durch die Frische, sondern auch durch die Vielfalt der Meeresfrüchte. So ist meist in Quito des Zieles Muisne das Essen Hauptgesprächsthema.

Zu dem Reis und den Meeresfrüchten werden immer Patagones serviert. Patagones sind Kochbananen, die man reif (maduro) oder unreif (verde) kaufen kann. Diese werden dann in Salzwasser „gebadet“, anschließend platt geklopft und frittiert.

Ein Mittagessen, bestehend aus Suppe, Hauptgericht und Getränk, kostet auf Muisne normalerweise 2$. Ein Essen, wofür man in Deutschland mit Sicherheit 15€ zahlen würde…. Und das jeden Tag!

Das Essen an der Küste ist eine Delikatesse und wird von allen Ecuadorianern geschätzt, obwohl es mit einfachsten Mitteln gemacht wird.

Das Leben auf Muisne III

Von Muisne aus kann man viele Ausflüge machen, einige möchten wir euch in diesem Bericht vorstellen. Natürlich gibt es noch viele versteckte Ecken, die wir auch noch nicht kennen, denn Ecuador ist ein sehr vielfältiges Land.

Als erstes zu nennen ist Atacames, eine wichtige Stadt für unsere Freiwilligen. Warum? Weil es auf Muisne keinen Geldautomaten gibt, der mit deutschen Karten funktioniert. Man sollte also mit seinem Geld gut wirtschaften. Atacames ist mit seinen knapp 20.000 Einwohner bedeutend größer und touristischer als Muisne. Dafür aber auch viel hektischer, da es dort viele Autos und Triciclos gibt. In Atacames gibt es auch einige Internetcafés, die mit einer schnellen Leitung aufwarten. Des Weiteren kann man in Atacames gut einkaufen gehen. Der Strand von Atacames ist sehr schön, auch wenn er häufig von Touristen überladen ist. Bedingt dadurch natürlich auch viele Verkäufer und Stände. Man kann also nicht so gut entspannen, wie auf Muisne. Für Leute, die gerne Schmuck machen, gibt es an der Strandpromenade einen kleinen Laden, der günstige Kugeln, Motive und allerlei Utensilien zum Schmuckmachen verkauft. Der Laden befindet sich auf dem Weg zum Strand, direkt gegenüber der Brücke über den Fluss.

Von Muisne aus kann man auch mit dem Bus (ca. 1 ½ Stunden, mit Umstieg in El Salto) oder mit dem Boot(empfehlenswert) nach Mompiche fahren. Dieses Dorf ist bedeutend kleiner als Muisne (ca. 500 Einwohner). Mompiche besitzt sowohl einen weißen als auch einen schwarzen (über den kleinen Hügel gehen) Sandstrand. Entlang des weißen Sandstrandes gibt es viele Bars, an denen man am Wochenende, in der Hängematte liegend, Cocktails, Bier oder frische Säfte genießen kann.

Cabo de San Fransico ist ein weiterer sehr schöner Ort in der Nähe von Muisne. Es ist deshalb so schön, da der Strand sich vollkommen von den anderen Stränden in der Umgebung unterscheidet. Dort stehen nämlich Klippen und Felsen, auf die man auch steigen und die Aussicht auf das Meer genießen kann.

 Die Muisneños sind generell eine sehr ruhige Volksgruppe. Auf der Insel herrscht karibisches Flair.Das bedeutet auch, dass vieles was es zu erledigen, gibt unter dem Motto steht:“Mañana es otro día“(morgen ist ein neuer oder anderer Tag). Das heißt auch gleichzeitig, dass man als überpünktlicher Deutscher nicht mit der Pünktlichkeit der Muisneños rechnen sollte. Das ist aber weiterhin nicht schlimm, denn irgendwie bekommt man doch alles geregelt. Auch als Deutscher findet man sich schnell in dieser kuba-ähnlichen Atmosphäre ein. Mir ist an mir selbst aufgefallen, dass ich viele Sachen etwas gelassener nehme und mit der deutschen „Stresssituation“ brechen kann. Negativen Stress gibt es für mich auf der Insel nicht.

 

 Auf Muisne gibt es sechs Schulen, wobei vier staatlich sind und die anderen Privat. Privat heißt in diesem Zusammenhang, dass man jährlich eine sogenannte Mátricula bezahlt, damit die Kinder die Schule besuchen können. Die Höhe der Mátricula hängt von der jeweiligen Schule ab. Bei den staatlichen Schulen entfällt diese Mátricula. Somit – so ist es zumindest auf der Schule, an der ich tätig bin- sind an den staatlichen Schulen die Klassen auch Recht überfüllt. In meiner Klasse sind 36 Schüler, sodass dass Arbeiten an manchen Tagen recht anstrengend sein kann. Denn die Schüler in Muisne verhalten sich auch ganz anders im Klassenraum als die deutschen Schüler. Da wird im Klassenraum rumgelaufen, manchmal geht es auch nach draußen. Da die Ecuadorianer an sich sowieso ein sehr kommunikatives Volk sind, wird natürlich auch im Klassenraum ausgiebig Konversationen mit den Mitschülern betrieben. Die Schüler antworten auf Fragen des Lehrers meist immer im Chor, was mich am Anfang in den  Wahnsinn getrieben hat, weil ich kein einziges Wort verstanden habe. Aber das soll jetzt nicht bedeuten, dass Lernen hier gar nicht möglich ist. Gerade bei Englisch sind sie aufmerksam und lernwillig, da es bei mir an der Schule vorher kaum die Möglichkeit gab, Englisch zu lernen. Allerdings muss man sich darauf einstellen, dass sie langsam lernen, da sie vorher – nicht wie in Deutschland- noch keinen Kontakt zu Fremdsprachen hatten und somit viel Zeit benötigen, diese zu erlernen. Generell lässt sich weiterhin zu den Schülern sagen, dass sie sehr offen gerade auch auf die Ausländer zugehen und sie schnell ins Herz schliessen und auch respektieren.

Komme ich nun zum Schulsystem. Auf Muisne und auch generell in Ecuador, beginnt alles wie auch in Deutschland mit dem Kindergarten (guardería) oder mit der Vorschule (jardín de infantes). Danach geht es relativ früh auf die so genannte Escuela. Dort lernen die Schüler zusammen bis zur 7. Klasse (séptimo grado). Danach ist für einige Schüler die Schule vorbei und für sie beginnt das Arbeitsleben. Die 2. Möglichkeit besteht darin auf das sogenannte Colegio zu gehen (vergleichbar mit dem amerikanischen College). Nach erfolgreichem Abschluss des Colegio besteht die Möglichkeit auf eine Uni zu gehen oder aber zu arbeiten. Man muss allerdings auch sagen, dass viele Menschen auf Muisne die Uni nicht bezahlen können, gerade wenn man in Quito, Guayaquil oder an einem anderen Ort außerhalb von Muisne studieren möchte. Für diejenigen steht aber auch eine Uni in Muisne zu Verfügen. Die ist allerdings nicht vergleichbar mit den anderen Universitäten in Ecuador. Sie findet abends in den Klassenräumen verschiedener Schulen statt.

Komme ich als Letztes auf die Ferien in Muisne zu sprechen. An der Küste gibt es generell andere Ferienzeiten als in der Sierra (Quito). Im April beginnt auf Muisne das neue Schuljahr und geht dann ungefähr bis Mitte Januar. Im Dezember gibt es zwischen Weihnachten und Neujahr auch noch einige Tage, an denen Unterrichet wird. Von Mitte Januar bis Anfang April sind Ferien.

 

Eine Empfehlung unserseits ist es eine Mangroventour zu machen. Hier kann man zwischen unterschiedlichen Touren wählen. Einige bietet Fundecol an, die sich den Schutz der Mangroven auf die Fahne geschrieben haben, andere werden privat organisiert. Einfach mal umhören. Möglich ist es auch selber Mangroven zu pflanzen. Sicherlich eine gute und interessante Arbeit, auf die man in Deutschland wohl nie treffen wird.

Weiterhin ist zu sagen, dass man auf der „Isla del Encanto“ (Insel der Herzlichkeit) sehr freundlich aufgenommen wird. Da es ein Dorf ist, ist es üblich, dass man jeden auf der Straße „Buenas días / tardes / noches“ begrüßt. Unter den Jugendlichen verkürzt man dieses und ruft über die Straße nur ein einzelnes, simples aber ausdrucksstarkes und freundliches „Eje“. Auch wenn die Muisneños sehr offen sind, kann man dennoch am Anfang auf ein bisschen Distanz stoßen. Das zeichnet sich dadurch aus, dass sich viele Gespräche auf Smalltalk-Niveau halten.

Die Bewohner von Muisne verstehen es zu feiern. Zwar haben die Diskotheken nur samstags auf, allerdings sind sie dann meist gut gefüllt. Und wenn es einer zu tanzen versteht, dann sind es die Menschen, die an der Küste leben. Aber auch hier bleibt zu sagen, dass es kulturelle Unterschiede zu Deutschland gibt. In Muisne tanzt man stets als „pareja“ (also zu zweit). Als sogenannte „gringa“ (Weiße, Ausländerin) wird man häufig von den Männern umgarnt und es werden viele Komplimente gemacht. Aber zu den Komplimenten sei gesagt, dass sie oft nicht als „blöde Anmache“ gemeint sind, sondern als Nettigkeiten bzw. Höflichkeiten, um einem den Tag zu versüßen. So wird man als Frau oft mit „Hola mi amor“ (meine Liebe) oder mit „Hola mi reina“ (meine Königin) gegrüßt, einfach nur um Sympathie zu zeigen. Wer erlebt so etwas schon in Deutschland?

Dazu muss aber auch gesagt werden, dass – wie es so oft der Fall in Lateinamerika ist – auch auf Muisne noch großer Machismo herrscht. Das kann zum einen aber auch zum Vorteil sein, da die Männer den Frauen die schweren Sachen tragen, ihnen beim eisteigen in die „lancha“ (Boot) helfen, usw.

 Auf Muisne spielt sich das Leben zum großen Teil auf der Straße ab. Die Ecuadorianer im Allgemeinen sind keine Menschen, die den ganzen Tag zu Hause sitzen. Sie wollen etwas erleben und Menschen treffen, um somit Kontakte zu knüpfen. Erst gegen Abend findet man sich zu Hause ein, um zu kochen und gemeinsam mit der Familie zu essen.

 Die Muisneños sind traditionsbewusste Menschen. Für jeden Feiertag wird etwas vorbereitet, oft von den Schulen, und vor dem Rathaus vorgetragen. Sie sind stolz auf ihre Stadt und ihr Land, und lieben es auch dies zu zeigen. So wird z.B. jeden Montagmorgen an der Schule die Nationalhymne gesungen, wobei jedem SchülerIn jede einzelne Strophe auswendig mitsingen kann.